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12 Jahre Inklusion am 1. Arbeitsmarkt

In unserem Inklusionsunternehmen haben wir  Menschen mit und ohne Behinderung die Chance geboten, gemeinsam auf dem Ersten Arbeitsmarkt im vielfältigen Gebiet der Logistik zu arbeiten. Wir beschäftigten 40 Mitarbeiter und achteten dabei auf die besonderen Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Einzelnen. Helge Hartestein war Logistikleiter der KAHLA Logistik Service gemeinnützige GmbH (KLS). In einem Interview berichtet er davon, wie er den Abschied erlebt hat.

Wie lange waren Sie für die KLS tätig und was hat die Arbeit für Sie bedeutet?
Seit dem 01.06.2016, also ziemlich genau 4 Jahre.

Ziel der KLS war die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung. Als Inklusionsunternehmen ist man dem Wettbewerb auf dem regulären Arbeitsmarkt ausgesetzt. Das besondere für mich war, dem beiden gerecht zu werden. Also Menschen mit und ohne Behinderung eine Arbeit zu ermöglichen und diese nachhaltig in die Firma zu integrieren und gleichzeitig ein zumindest ausgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen. Bei vielen großen Logistikern herrschen heutzutage knallharte Bedingungen. Wer als Mitarbeiter nicht funktioniert, wird entlassen. Bei der KLS wurde Rücksicht auf die Belange der einzelnen Mitarbeiter genommen und so waren wir eine Firma mit vielfältigen Charakteren, die trotzdem ihre Kundenaufträge erfüllt hat und zeitweise  über das normal Maß gehen konnte. Mit dem SBW hatte die KLS allzeit einen verlässlichen und starken Partner Wir haben uns nach Kräften unterstützt.

Was hat die Arbeit für Ihre Mitarbeiter bedeutet? Wie geht es für die Mitarbeiter weiter? Wie haben Sie die letzten Tage und Wochen der KLS erlebt?
Wir waren insgesamt ca. 50 Mitarbeiter und die geringe Fluktuation ist ein Zeichen, dass die  Mitarbeiter gerne in unserer Firma gearbeitet haben.  Das Betriebsklima war ziemlich gut und der Druck von außen hat unseren Zusammenhalt gestärkt. Die KLS bot äußerst vielfältige Möglichkeiten für die Beschäftigung vom Mitarbeitern mit Behinderung. Uns ist es 12 Jahre lang gelungen,  z.B. psychisch kranke Menschen, gehörlose Menschen, Autisten, körperlich eingeschränkte Menschen und andere erkrankte Menschen in unsere Arbeitsprozesse integrieren. Trotz, dass es immer mal wieder mit unserem Hauptauftraggeber kriselte, haben sie stets darauf vertraut, dass es doch irgendwie immer weitergehen wird.

Am 13.03.2020 mussten wir - nachdem unser Hauptauftraggeber Insolvenz angemeldet hat - als KLS selbst Insolvenz anmelden und die weitere Entwicklung hatten wir uns alle nicht so schnell und heftig vorgestellt. Ende April wurde der größte Teil der Mitarbeiter dann unwiderruflich freigestellt.  Wir haben uns zwar aktiv darum bemüht andere Arbeitgeber zu finden und den Mitarbeitern Alternativen aufzuzeigen, aber das hat sich gerade in Zeiten der Corona-Pandemie schwierig gestaltet.

Gibt es darüber hinaus noch etwas, dass Sie gerne mitteilen möchten?
Die KLS war durch ihre Vielfalt an Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Behinderung etwas ganz besonderes. Es war ein mutiger Schritt, diese Firma 2007 ins Leben zu rufen. Ein Logistikdienstleister als Inklusionsfirma ist nicht alltäglich.  Mit einer Menge Zuversicht, Engagement und Unterstützung durch das SBW konnten wir 12 Jahre lang unsren Satzungszweck, die Schaffung von Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung  nachkommen. 

In unserer globalisierten und schnelllebigen Welt müssen wir uns damit abfinden, dass solche Projekte durch die sich veränderten Rahmenbedingungen eines Tages nicht mehr wirtschaftlich tragfähig sind und somit scheitern. Letztendlich sollte es uns aber nicht davon abhalten, nach neuen Möglichkeiten zu suchen und diese zu nutzen. Es lohnt sich!